Bei Wind und Wetter

EIN TAG AUF DEM VORFELD

Für DUSmomente hat sich Thomas Kötter, Leiter der Unternehmenskommunikation am Düsseldorfer Flughafen, auf das Vorfeld begeben und berichtet von seinen Eindrücken.

Thomas Kötter
Sechs Jahre verantworte ich nun schon die Kommunikation am größten Airport Nordrhein-Westfalens, sechs Jahre in denen Themen rund um die Bodenverkehrsdienste zu meinen ständigen Begleitern gehörten. Zuletzt im vergangenen Sommer, als es abends wiederholt zu längeren Wartezeiten bei der Gepäckausgabe kam. Für mich war es daher nun an der Zeit, Anzug und Krawatte gegen Latzhose und Handschuhe zu tauschen und für einen Tag auf dem Vorfeld anzuheuern.

GEGEN DIE ZEIT

Es ist ein milder aber ziemlich nasser November- tag. Die Kollegen unserer Abfertigungstochter Flughafen Düsseldorf Ground Handling (FDGHG) haben mich für mein „erstes Mal“ für einen Airbus A320 der Aegean aus Athen eingeteilt. Flugnummer A3 540, planmäßige Ankunftzeit zwölf Uhr mittags. Nur 50 Minuten nach der Landung soll „die Mühle“ unter der Flugnummer A3 541 „gedreht sein“ und wieder von Düsseldorf in Richtung Athen mit Zwischenstopp in Thessaloniki abheben. 50 Minuten, die mir irgendwie Respekt einflößen, die Kollegen aber vollkommen kalt lassen. Apropos kalt: Ausreden gibt es da draußen nicht. Die Koffer müssen im Winter bei minus 20 Grad ebenso in den Flieger wie im Sommer, wenn die Temperaturen über dem Vorfeldbeton regelmäßig die 40 Grad-Marke übersteigen.

Klaus und Martin empfangen mich freundlich in der Gepäcksortierung. Wir sind sofort beim „Du“. Die hochmoderne Gepäcksortieranlage, die vor kurzem für 75 Millionen Euro installiert wurde, sorgt für eine sonore Hintergrundakustik, während mir die beiden meinen Arbeitsplatz erklären. Unten am Stichband 10 erwarten wir mit Beginn des Check-ins oben in der Abflughalle die ersten Koffer und Taschen der Passagiere. Mir leuchtet schnell ein, dass hier unten jeder Handgriff sitzen muss. Es kommt vor allem auf die richtige Sortierung an. Und dabei läuft die Uhr. Koffer nach Athen kommen auf den einen Wagen, Gepäck nach Saloniki auf den anderen. Priority-Gepäck wieder auf einen anderen und Transfer-Gepäck auf den letzten. Nicht selten erledigt ein Mann alleine diesen Job. Ich kümmere mich um das Saloniki-Gepäck und bin überrascht, wie viele Menschen im November dorthin möchten. Im Vergleich zu den großen Flugzeugen, in denen bis zu 700 Koffer von drei Personen verladen werden müssen, gleicht meine Aufgabe eher einem Kindergeburtstag.

WENN TONNEN BEWEGT WERDEN

Pro Schicht bewegt ein Mitarbeiter in der Gepäcksortierhalle oder ein Lader direkt am Flugzeug etwa zehn Tonnen Last, in der Hauptreisezeit auch gerne noch etwas mehr. Ein echter Knochenjob, von dem man als Passagier so gut wie nichts mitbekommt. Als blutiger Anfänger bekomme ich jedoch lediglich eine Ahnung, wie viel das ist. Warum fliegen so viele Menschen mit Steinen im Gepäck durch die Welt, schießt es mir bei jedem schweren Koffer durch den Kopf. Rund 20 Millionen Gepäckstücke werden in Düsseldorf jedes Jahr umgeschlagen, Tendenz steigend. Lediglich ein Promille-Anteil davon kommt aus unterschiedlichen Gründen nicht am Bestimmungsort an. Ich bin fest entschlossen, dass diese gute Quote der Kollegen durch meine Mithilfe nicht verwässert wird.

Dank der kurzen Wege ist Düsseldorf bei Passagieren eigentlich bekannt für die schnelle Gepäckausgabe. Eigentlich. Im vergangenen Jahr kam es vor allem bei den abendlichen Ankünften zu unerfreulichen Verzögerungen. Dieser Umstand ist auch aus unserer Sicht als Flughafenbetreiber sehr ärgerlich und nicht akzeptabel. Für die Unannehmlichkeiten für die Passagiere haben wir uns im vergangenen Jahr mehrfach öffentlich entschuldigt. Jedoch können wir auf das Vertragsverhältnis zwischen Airline und Abfertigungsunternehmen keinen direkten Einfluss nehmen. In vielen Gesprächen mit den Fluggesellschaften und deren Dienstleistern haben wir nachdrücklich auf diesen Missstand hingewiesen. Nach einem langen Flug möchte man einfach nur schnell sein Gepäck haben und dann ab nach Hause. Das verstehen wir vollkommen. Und das ist unser Anspruch. Aus diesem Grund setzen wir uns bei den Airlines und Dienstleistern so vehement für eine einwandfreie Gepäckbeförderung ein.

DER LAUF DER ZEIT

Doch wie so oft gibt es immer eine Geschichte hinter der Geschichte: Die Stimmung unter meinen Kollegen für einen Tag ist locker und professionell. Alle sind schon lange bei der FDGHG, beherrschen ihr Geschäft aus dem Effeff und tragen allesamt ihr Herz am rechten Fleck.
Und viele von Ihnen kennen noch die Zeit, als der Bodenverkehrsdienst noch nicht liberalisiert war und die FDGHG für die komplette Gepäck-abfertigung in Düsseldorf zuständig war. Das ist jedoch sehr lange her. 1999 wurde der Markt EU-weit für einen zweiten Anbieter geöffnet.

Die Fluggesellschaften können seitdem ihren Abfertiger frei wählen. In den folgenden Jahren wechselten immer mehr Fluggesellschaften von der FDGHG zum freien Abfertigungs-unternehmen, weil dieses seine Leistungen günstiger am Markt anbieten konnte. So etwas nennt man wohl Wettbewerb. Zuletzt hatte der freie Anbieter 90 Prozent Marktanteil in Düsseldorf, die FDGHG nur noch rund zehn. Dass günstige Preise auch die Qualität ein Stück weit in Mitleidenschaft ziehen können, war im letzten Sommer zu sehen. Um diese Situation für die Passagiere zum Besseren zu wenden, beantragten Airlines und Flughafen gemeinsam eine weitere Abfertigungslizenz beim Landesverkehrsministerium. Der dritte Anbieter hat im Frühjahr vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen und wird, darin sind sich alle einig, die Gepäcksituation und die Wartezeiten in Düsseldorf spürbar verbessern.

NACH DEM ENTLADEN, IST VOR DEM BELADEN

Nach der Gepäcksortierhalle ging es für mich im Lastkarren samt Gepäck für 162 Passagiere an den Flieger, der gerade gelandet war. Die Vorfeldgruppe wartete bereits auf mich, der Regen auch. Über das Förderband kommt ein Koffer nach dem anderen aus dem Bauch des Flugzeugs. Jeden zweiten von ihnen stemme ich auf den Gepäckwagen. Wieder Steine. Die Zeit tickt. 50 Minuten sind nicht viel. Dann geht es für mich in den Laderaum des A320. Mensch, ist das niedrig hier. Die Koffer, die ich eben noch in der Halle in die Gepäckwagen befördert habe, kommen nun unermüdlich, einer nach dem anderen, das Band hochgefahren. Und ich knie da im Laderaum und wuchte jeden einzelnen von der linken auf die rechte Seite und staple sie fein säuberlich, damit sich der Flieger pünktlich um 12:50 Uhr auf seinen Weg gen Süden machen kann.

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