Der 268-Tonnen-Täufling

TAUFPATENSCHAFTEN HABEN BEI LUFTHANSA TRADITION

Ganz still steht der Täufling an seinem großen Tag auf Position V01 des Düsseldorfer Flughafens. Kein Gramm seines hunderte Tonnen schweren und 67 Meter langen Körpers bewegt sich. Die Tropfen der Wasserfontäne zu seiner Begrüßung durch die Flughafenfeuerwehr perlen am brandneuen Lack ab. 130 Ehrengäste stoßen bei leiser Saxophonmusik auf ihn an. Dann ergreifen die stolzen Paten das Wort. Lufthansa-CEO Carsten Spohr lüftet das Geheimnis um den jüngsten Zugang seiner Flotte.

Airbus A350-900

Die „Essen“, ein Airbus A350-900, ist das modernste und umweltfreundlichste Langstreckenflugzeug der Welt und verbraucht über 25 Prozent weniger Kerosin, erzeugt 25 Prozent weniger Emissionen und ist beim Start wesentlich leiser als vergleichbare Flugzeugtypen.

„ESSEN“ FÜR DIE WELT

Mit diesen Eigenschaften passt er ideal zu der namensgebenden Ruhr-Metropole: Essen trägt den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“. Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen und Flughafenchef Thomas Schnalke würdigen den Täufling, der bereits das sechste Flugzeug ist, das den Namen der Stadt trägt. Am Ende der Zeremonie begießt der erste Bürger Essens das Flugzeug sanft mit Sekt und unterzeichnet die offizielle Taufurkunde. Dann kommt Leben in den Täufling, er rollt zur Startbahn und hebt ab Richtung München, wo er am Abend mit seinem maximalen Startgewicht von eben 268 Tonnen zum ersten Linienflug nach Hongkong aufbricht und den Namen „Essen“ in die Welt trägt.

Die Szene steht für eine von rund 300 im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte. „Im September 1960 haben wir begonnen, Flugzeuge mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen“, erklärt Florian Gränzdörffer, der für die Kommunikation der Lufthansa in Nordrhein-Westfalen verantwortlich ist. „Damals gab es in Frankfurt Flugzeugtaufe Nummer Eins. Wir stellten unser allererstes Langstreckenflugzeug, die seinerzeit moderne Boeing 707, in Dienst. Der vierstrahlige Jet erhielt den Namen ‚Berlin‘ und Taufpate war der damalige regierende Bürgermeister Willy Brandt. Seitdem erhalten unsere Flugzeuge Städte- und Bundesländernamen. Auch einige internationale Namen finden sich in der Kranichflotte“, blickt er auf die Geschichte zurück.

Doch welche Orte dürfen sich über ein Flugzeug mit ihrem Namen freuen? Bei der Vergabe orientiert sich Lufthansa an der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung. Auch Städte, die in besonderer Weise mit der Luftfahrt oder der Lufthansa verbunden sind, finden Berücksichtigung. Die Größe der Stadt spielt dagegen keine Rolle. Die Historie schon. Die Namensgebungen sind durchaus ein Spiegel der Zeit. Nach dem Fall der Mauer erweiterte sich die Flotte der nach Bundesländern getauften Maschinen von elf auf 16 und rasch fanden auch ostdeutsche Gemeinden Einzug ins Namensregister. Ein sichtbarer Beleg der deutschen Einheit.

NRW MIT DEN MEISTEN PATENSCHAFTEN

Auch weniger freudige Ereignisse führten zu Patenschaften. Als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 plötzlich der gesamte amerikanische Luftraum gesperrt wurde, mussten einige Flüge auf den kanadischen Flughafen Halifax ausweichen, der für einen solchen Ansturm nicht ausgelegt war. Die Einwohner von Halifax und der Nachbargemeinde Gander kümmerten sich damals mit viel Gastfreundschaft um Passagiere und Crews. Daraufhin taufte die Lufthansa als Zeichen der Dankbarkeit einen Airbus A340-300 auf den Namen „Gander/Halifax“. „Als klares Bekenntnis zu unserer Heimat haben die meisten unserer getauften Maschinen allerdings deutsche Namen.

Diese reichen von Flensburg bis Lindau und von Aachen bis Frankfurt (Oder). Das Bundesland mit den meisten Patenschaften ist übrigens NRW – 61 Flugzeuge tragen entsprechende Städtenamen“, freut sich der gebürtige Siegener Gränzdörffer, der stolz darauf ist, dass der Airbus A330 „Siegen“ auch eine Zeit lang ab Düsseldorf geflogen ist.

Flaggschiff unter den Täuflingen ist ein Airbus A380. Seine Taufe fand im November 2015 statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel taufte ihn persönlich auf den Namen „Deutschland“. Ein Motto gilt aber für alle Patenschaften: „Einmal Lufthansa, immer Lufthansa“. Die Patenschaft ist eine dauerhafte Institution. Einmal in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, geht der Name auf ein neues Flugzeug über, sobald die ursprünglich getaufte Maschine aus der Lufthansaflotte ausscheidet.

IMPRESSIONEN DER FLUGZEUGTAUFE

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