DIREKTOR DER TOUR DE FRANCE

CHRISTIAN PRUDHOMME

Christian Prudhomme lebt für die Tour de France. Seit zehn Jahren ist er
Direktor des weltweit bedeutendsten Radrennens. Der Franzose reist für Termine um die ganze Welt und ist in Düsseldorf ein gern gesehener Gast. DUSmomente traf den Vielflieger vor dem Abflug nach Paris am Airport.

Düsseldorf freut sich auf die Tour de France. Wie waren die Reaktionen in Frankreich, dass der Grand Départ in diesem Jahr in Düsseldorf startet?

PRUDHOMME Das ist der erste Grand Départ in Deutschland nach 30 Jahren. 1987 startete das Rennen im damals noch geteilten Berlin. Wir freuen uns sehr, wieder hier zu sein. Wir danken Thomas Geisel für sein Engagement. Der Oberbürgermeister zeigte einen starken Willen, den Grand Départ in seine Stadt zu holen, das war sehr beeindruckend.

Düsseldorf ist eine tolle Stadt, hat einen gut angebundenen Flughafen und liegt zudem in der Nähe zu Belgien und den Niederlanden. Das waren für uns hervorragende Voraussetzungen für die Tour. Dazu kommt, dass die deutschen Radprofis zu den besten der Welt gehören. Das ist die Nation, die in den letzten Jahren die meisten Erfolge feiern konnte. Kurzum: Vieles sprach für Düsseldorf.

 In Vorbereitung auf die Tour de France reisten Sie in den vergangenen Monaten oft nach Düsseldorf. Die Strecke Düsseldorf – Paris haben Sie zwar nicht auf dem Fahrrad, aber umso öfter im Flugzeug zurückgelegt. Was schätzen Sie am Düsseldorfer Airport?

Prudhomme  Ich schätze den Düsseldorfer Flughafen sehr. Ich vergleiche ihn gerne mit einer „modernen Kathedrale“. Er verfügt über ein großzügiges, helles Terminalgebäude und ist Treffpunkt für Menschen aus aller Welt. Es ist sehr angenehm, vom Airport schnell in die Stadt zu kommen. Das ist ein großer Pluspunkt. Auch für die Radprofis. 30 Minuten nach Ankunft am Airport können sie schon in ihren Hotels einchecken. Die hervorragende Anbindung war ein wichtiger Faktor für uns.

 Bei all den Vorbereitungen und geschäftlichen Terminen in Düsseldorf – hatten Sie auch Zeit, die Stadt kennenzulernen?

Prudhomme  Ja, Düsseldorf bei Nacht (lacht). Ich mag die Straßen, die historischen Gassen und die Restaurants in der Altstadt. Einmal waren wir auch oben auf dem Rheinturm und hatten einen herrlichen Blick auf die Stadt. Nicht zu vergessen natürlich auch die berühmte Königsallee, die zum Flanieren einlädt. Ein persönliches Highlight für mich ist der Düsseldorfer Karneval. Das ist eine schöne Tradition und auch ich wagte mich letztes Jahr in ein Kostüm. Ich war als Sansculotte verkleidet – dies ist eine bedeutende Figur aus der Zeit der Französischen Revolution. Am Rosenmontag 2016 gaben wir übrigens bekannt, dass der Grand Départ in Düsseldorf starten wird. Somit habe ich sehr gute Erinnerungen an Karneval.

 Was war für Sie entscheidend bei der Auswahl der Streckenführung in Düsseldorf und der Region? Welcher Streckenabschnitt hat Ihrer Ansicht nach einen besonderen Reiz?

Prudhomme  Es war uns wichtig, etwas für die deutschen Radsportfans zu machen. Aber: bei der Tour de France geht es nicht nur um das Radfahren. Die Tour führt in diesem Jahr durch das historisch geprägte Neandertal. Das war ein wichtiger Punkt bei unserer Planung. Zehn Tage nach der Fahrt durch Düsseldorf und das Neandertal erreichen die Fahrer Lascaux. Das ist ein Ort, an dem historische Höhlenmalereien entdeckt wurden – ein Weltkulturerbe. Das wird die Antwort auf das Neandertal sein. Was ich damit sagen will: Die Tour ist viel mehr als Radfahren. Sie ist Kultur, Geographie und Geschichte zugleich. In anderen Sportarten sieht man oft nur eine Halle, einen Platz oder ein Stadion. Man sieht weder die Stadt, noch die Region. Düsseldorf wird auf der ganzen Welt zu sehen sein. Die Tour de France ist nicht nur ein Ereignis für die Radsportfans, sondern für jedermann.

 Düsseldorf rechnet mit rund einer Millionen Zuschauer an der Strecke. Welchen Tipp haben Sie für die Fans – wo sieht man am besten?

Prudhomme  Einer der besten Plätze wird sicherlich an der Messe sein. Hier haben die Zuschauer die Gelegenheit, die Fahrer gleich zweimal zu sehen. Die erste Etappe des Grand Départ startet und endet auch wieder dort. Da wird natürlich eine super Stimmung sein.

 Als Journalist haben Sie viel über Sportereignisse berichtet. Inwieweit hat Ihre aktive Arbeit bei der Tour de France Ihre Sicht auf den Spitzensport verändert?

Prudhomme  Als Journalist betrachte ich nur den Sportaspekt. Keine Sekunde denkt man darüber nach, was die Organisation von einem Rennen in dieser Größenordnung bedeutet. Wie viel Arbeit dahinter steckt. Jeder Tag ist ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen. Wir reisen von einer Stadt zur nächsten. Das alles bekommt man als Journalist natürlich nicht mit. Und das interessiert einen auch gar nicht. Viele meiner französischen Journalisten-Kollegen denken ich habe die Handynummern von allen Radprofis. Ich habe vielleicht zehn. Aber mein Telefonbuch ist voll von 500 Kontakten oder mehr zu Politikern und Bürgermeistern. Man muss in diesem Job mit vielen Leuten starke Kontakte knüpfen und pflegen. Jetzt arbeiten wir an 2017, aber auch schon an 2018 und 2019. Und wir haben sogar schon Meetings für die Tour de France in 2022 und 2023 gehabt. Wir brauchen eine Menge Vorlauf. Das ist ein langer Weg bis zu dem Tag, an dem der Startschuss für die Tour fällt.

 Die erste Tour de France ging 1903 an den Start. Auch der Düsseldorfer Airport hat eine lange Geschichte und feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Über einen Geburtstagsgruß von Ihnen würden wir uns freuen. Was wünschen Sie dem Airport für die Zukunft?

Prudhomme  Ganz klar: Noch mehr Passagiere. Passagiere aus aller Welt. Ich war beeindruckt, dass es ab Düsseldorf einen Nonstopflug nach Dubai gibt. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Es ist sehr wichtig, weltweit direkte Verbindungen zu haben. Der Düsseldorfer Airport ist das Tor zur Welt. Düsseldorf und die Region brauchen den Airport. Ich wünsche dem Flughafen für die Zukunft viele Passagiere und viele neue Langstreckenverbindungen.

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