NRW-MINISTERPRÄSIDENT

Amin Laschet

Kabinettssitzung in Düsseldorf, Parteitreffen in Berlin, politische Gespräche in Polen, Israel oder Frankreich. Politik ist heute so mobil wie unser Leben. Termine an mehreren Orten an einem Tag sind an der Tagesordnung. Ohne das Flugzeug wäre dieser schnelle Politikbetrieb gar nicht möglich. Einer der politischen Vielflieger unseres Landes ist NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Auf dem Weg nach Berlin hat er unserer Redaktion einen Moment seiner knappen Zeit geschenkt.

Herr  Ministerpräsident, Sie gehören gefühlt zu den absoluten Heavy Usern unseres Flughafens. Manche Weggefährten behaupten, Sie säßen häufiger in einem Flugzeug als in Aachen-Burtscheid auf dem heimischen Sofa ...

LASCHET Zeit auf dem Sofa kommt zu kurz, das ist richtig. Um die Interessen eines so großen Landes wie Nordrhein-Westfalen angemessen zu vertreten und allen Regionen gerecht zu werden, sind Reisen unabdingbar. Dabei bin ich viel mit dem Auto in Nordrhein-Westfalen unterwegs, zu Gesprächen in Berlin oder international auch mit dem Flugzeug.

 Wie oft haben Sie im vergangenen Jahr ein Flugzeug bestiegen?

LASCHET  Eine genaue Zahl kann ich nicht benennen, ich zähle nicht mit.

 Haben Sie Flugangst?

LASCHET  Nein.

 Könnten Sie Ihren Job mit Flugangst überhaupt machen?

LASCHET  Es würde die Arbeit auf jeden Fall deutlich erschweren.

 Gehen wir recht in der Annahme, dass Briefings und Beschlussvorlagen zu Ihren treuesten Begleitern in der Luft gehören? 

LASCHET  Ja. In der Regel nutze ich die Zeit während des Fluges zum Lesen von Unterlagen, um mich beispielsweise auf die anstehenden Termine und Gespräche vorzubereiten.

 Und darüber hinaus? Kann ein Ministerpräsident über den Wolken auch mal für einen Moment entspannen? 

LASCHET  Meist nutze ich die Ruhe, um zu arbeiten. Aber ich genieße die Zeit ohne Handy an Bord.

 Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie von oben durch das kleine Flugzeugfenster auf unsere Welt schauen?

LASCHET  Ich denke oft, wie gut wir es haben, dass wir heute so unkompliziert von einem Ort zum anderen reisen können. Diese Freizügigkeit und Offenheit ist ein Privileg – wirtschaftlich, gesellschaftlich und für jeden persönlich bei dienstlichen oder privaten Reisen. Das war vor gar nicht langer Zeit noch ganz anders, und das vergessen wir viel zu oft. Vor allem in der heutigen Zeit, in der populistische, antieuropäische Stimmen stärker werden, sollten wir uns die Errungenschaften immer wieder bewusst machen. Freies Reisen war lange keine Selbstverständlichkeit.

 Für den Landesvater des bevölkerungsreichsten Bundeslandes muss es doch immer wieder schön sein, über „sein“ Bundesland zu fliegen. Welche Landmarks schauen Sie sich besonders gerne von oben an?

LASCHET  Es ist vielmehr das Zusammenspiel der vielen verschiedenen Teile, die Nordrhein-Westfalen ausmachen. Gerade von oben lässt sich die Vielfältigkeit dieses Landes wunderbar bestaunen – von idyllischer Natur über die wachstumstreibenden Kleinstädte hin zu den pulsierenden Großstädten: Nordrhein-Westfalen hat so viel zu bieten. Und was auf den ersten Blick konträr wirken mag, wirkt tatsächlich in wunderbarer Weise zusammen und macht Nordrhein-Westfalen erst so stark, besonders und erfolgreich.

 Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Flugreise?

LASCHET  Ich glaube, als Jugendlicher mit meinen Eltern nach Israel. 

 Wohin ging Ihre schönste Reise, an die Sie bis heute zurückdenken?

LASCHET  Immer nach Israel und als junger Abgeordneter im Entwicklungsausschuss oft als Begleitung des damaligen Außenministers nach Süd- und Mittelamerika. 

 Sie mögen Italien und den Bodensee. Aber sicherlich gibt es darüber hinaus noch Orte, die Sie unbedingt einmal besuchen möchten. Gewähren Sie uns einen Einblick in Ihre Reisewunschliste?

LASCHET  Urlaub mache ich meist in Deutschland und Italien. Es gibt so viele schöne Orte. Ich mag Städte wie Paris, Rom, London und New York. Ohne Flugzeug erreicht man schöne Orte in Nordrhein-Westfalen, wie die Vulkanseen in der Eifel, unsere Schlösser im Münsterland, unsere Dome und Kathedralen oder die Externsteine in der Region Lippe. Alle diese Orte sind immer eine Reise wert.

 In Ihrer Freizeit lesen Sie gerne und viel. Zudem ist Ihre Frau, mit der Sie über 30 Jahre verheiratet sind, Buchhändlerin. Wer also, wenn nicht Sie, könnte unseren Lesern Lesetipps für die bevorstehende Reisezeit geben? Welche Bücher gehören Ihrer Meinung nach in jedes Handgepäck?

LASCHET  Leider komme ich zu wenig zum Bücherlesen. Aber mit einem guten Krimi oder historischen Roman im Handgepäck ist man meiner Meinung nach immer bestens ausgerüstet. Ein aktueller Tipp: „Harald Lüders – Dunkelmacht“, für Fluggäste, die Spannung und Zeitgeschichte lieben. Für Krimifans den herrlich skurrilen und altmodischen Roman von Rex Stout: Der rote Stier. Für Menschen, die endlich mal das Handy aus der Hand legen müssen, aber gerne den Kopf gebrauchen: Navid Kermani –Ungläubiges Staunen. Und wer gerne auch mal in die Vergangenheit reisen möchte, rasant und verrückt: Grégoire Hervier – Vintage.

 Was gehört denn noch neben Büchern unbedingt ins Handgepäck der Privatperson Armin Laschet?

LASCHET  Zeitungen.

 Was wünschen Sie sich als Ministerpräsident und als Privatperson für das Jahr 2019?

LASCHET  Ich wünsche mir, dass Europa zusammenhält, dass in unserem Land der Zusammenhalt wächst und dass wir wieder mehr Respekt haben vor anderen Religionen und Kulturen.

Ihre Meinung zum Artikel

Gefällt Ihnen das Interview?

Ihre Meinung interessiert uns.

Leserbrief schreiben

Keine neue Geschichte verpassen!

Gerne benachrichtigen wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel auf dusmomente.com erscheint.

Bitte melden Sie sich hier an: